
Das Schloss Poděbrady war ursprünglich eine hölzerne Festung aus dem Jahr 1108. Im 13. Jahrhundert wurde es zur königlichen Wasserburg von Přemysl Otakar II. Die heutige barocke Form stammt aus dem 18. Jahrhundert. | Foto: admin.
Ein Besuch in Poděbrady kann als Rundgang durch den historischen Stadtkern, zur Erholung und zum Probieren der Mineralwässer dienen. Ein Tagesausflug kann eine willkommene Auszeit vom Alltag sein. Los geht’s.
Die Kurstadt Poděbrady liegt östlich von Prag. Vom Stadtrand aus ist sie über die Autobahn D11 in etwa einer halben Stunde erreichbar. Von Pardubice oder Hradec Králové dauert die Fahrt mit dem Auto nur wenige Minuten länger.
Die erste Besiedlung reicht bis in das Jungpaläolithikum zurück. An der Stelle des heutigen Schlosses stand eine hölzerne Festung, später eine Burg des böhmischen Königs, Markgrafen von Mähren und Krain, Herzogs von Österreich, Steiermark und Kärnten, Herrn von Eger und Pordenone – Přemysl Otakar II.
Doch erst die Söhne des böhmischen Königs Georg von Podiebrad erhoben Poděbrady im Jahr 1472 zur Stadt.

Die älteste Darstellung von Poděbrady im Kupferstich des Schweizer Künstlers Matthäus Merian von 1650 ist teilweise fiktiv. Es gibt keine umliegenden Hügel, und anstelle der Schlossmauer stand dort ein anderes Gebäude. | Ansicht von Schloss und Marktplatz (bereits im Barockstil) von Karel Smrkovský, Ende des 18. Jahrhunderts.
Ein authentisches Porträt von Georg von Podiebrad existiert nicht, aber anthropologische Untersuchungen seiner Überreste zeigen eindeutig, dass er übergewichtig war – gegen Ende seines Lebens sogar so sehr, dass er sich kaum noch fortbewegen konnte. So wurde er jedoch von verschiedenen Autoren dargestellt:

1. Nürnberger Chronik | 2. Chronik über die Entstehung des böhmischen Landes und seiner ersten Bewohner | 3. Chronik des Přibík Pulkava von Radenín | 4. Porträtsammlung tschechischer Persönlichkeiten von Jan Vilímek
Die Darstellung Georgs in der Nürnberger Chronik von 1493 lässt ihn schlanker erscheinen. Das Porträt in der Chronik von Martin Kuthen von Špinberk (1539) gilt als das realistischste. Die Darstellung in der Chronik von Přibík Pulkava aus dem Jahr 1609 ist nur annähernd korrekt, und das Porträt in Vilímeks Sammlung aus dem späten 19. Jahrhundert ist größtenteils erfunden.
König Georg war seiner Zeit nicht nur um Jahre, sondern um Jahrhunderte voraus.
Dieser Georg gewann durch Weisheit und Fleiß, nicht durch Waffen, die Gunst möglichst vieler Menschen.
Breslauer Chronist Peter Eschenloer
Er setzte sich für eine Allgemeine Friedensorganisation der christlichen Herrscher ein. Die Staaten sollten souverän bleiben, sich nicht in andere einmischen und Streitigkeiten vor einem internationalen Gerichtshof klären. Jeder Staat, auch wenn er Teil eines größeren Bündnisses war, sollte eine Stimme haben. Klar ist, dass bei einer so weltlichen Auffassung wenig Platz für einen dogmatischen Papst blieb – was diesem natürlich missfiel.
König Georg wollte Europa auch im Kampf gegen die Türken einigen, um christliche Gebiete zurückzuerobern. Er war ein geschickter Verhandler, ehrgeizig, wechselte Allianzen, wenn es ihm Vorteile brachte, zog im Hintergrund die Fäden und schreckte auch nicht vor List zurück. Doch er war erfolgreich, klug und respektiert – und erhob das böhmische Königreich.
Heute ist uns oft nicht bewusst, wie visionär Georgs Vorstellungen einer neuen Weltordnung waren. So sehr, dass die UNESCO im Jahr 1964 seine Friedensinitiative als ein Ereignis von gesamteuropäischer Bedeutung einstufte. Georg von Podiebrad gilt als ein ideeller Vorläufer der Europäischen Union und der UNO.
Doch war er wirklich aus Poděbrady?
Nach heutigem Forschungsstand stammt Georg von Podiebrad mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus Poděbrady. Das ist natürlich ein Dämpfer für die Stadt, ihre Schulen, den Tourismus und die Kureinrichtungen – daher geht man mit dieser Tatsache vorsichtig um. Sein Geburtsort ist unklar und konnte bisher nicht eindeutig bestimmt werden.

Poděbrady von Johann Venuto (1818) und das älteste Foto des Schlosses (leicht koloriert), aufgenommen um 1865.
Poděbrady od Johanna Venuta z roku 1818 a nejstarší fotografie zámku (slabě dobarvená) pořízená kolem roku 1865.
Georg war auch deshalb besonders, weil er der einzige böhmische König war, der nicht aus einer Dynastie stammte, sondern von den Ständen gewählt wurde. Warum also „von Podiebrad“?
Damals gehörte die Burg in Poděbrady nicht einmal dem Haus von Kunštát, aus dem Georg stammte. Doch die tschechischen Nationalisten um František Palacký brauchten einen symbolischen Mythos eines böhmischen Königs mit regionalem Bezug. Der Beiname „von Podiebrad“ bezieht sich also nicht auf den Geburtsort, sondern auf Besitzungen in Poděbrady. Die erste und einzige Erwähnung von Poděbrady erscheint 70 Jahre nach seinem Tod, jedoch nicht im Zusammenhang mit seinem Geburtsort.
Heute liest man manchmal, dass es "Jiří von Poděbrad" und Kunštát ist, und hypothetisch könnte er in Bouzov, Horažďovice, Litice geboren sein. Die Mehrheit der Historiker vermutet den Geburtsort in Mähren (Bouzov).
Die Wahrheit (des Herrn) siegt
Während der tschechischen Nationalbewegung kam die Behauptung auf, Georg von Podiebrad habe das Motto „Die Wahrheit (des Herrn) siegt“ geprägt. Doch das ist nicht der Fall. Zwar berief sich Georg auf die Ideale der Hussiten (die dieses Motto verwendeten), war selbst aber eher gemäßigt. Das Motto passte jedoch zu seinem Friedensstreben und seiner Betonung von Vernunft, Dialog und Toleranz – er übernahm es als sein eigenes.
Der hussitische Theologe und utraquistische Erzbischof Jan Rokycana ließ das Motto zusammen mit dem Kelch und einer Statue Georgs in goldener Ausführung an der Fassade der Prager Teynkirche anbringen, wo es bis zur Schlacht am Weißen Berg (1620) erhalten blieb.
Die Inspiration für das Motto stammt aus dem apokryphen „Dritten Buch Esra“, das auch Meister Jan Hus kannte. Der erste Präsident der Tschechoslowakei, Tomáš G. Masaryk, sorgte später für dessen erneute Popularität – daher steht es auch auf der Präsidentenstandarte.
Und wir gehen zu den Quellen
Auf der Karte siehst du eine gemütliche, eher kurze Route, die größtenteils flach verläuft. Du bist nicht bequem, sondern mit dem Zug angereist. Also starten wir am Bahnhof.
- Start – Bahnhof Poděbrady
- Žižkas Quelle (Trinkbrunnen) in der Straße Moučná. 1970 am Stadtrand erbohrt. Eine der geschmackvolleren.
- Trnkas Quelle (Trinkbrunnen) – erbohrt 1912, 1972 versiegelt. An das Kur-Reservoir angeschlossen.
- Bočeks Quelle (Trinkbrunnen) – erbohrt 1911, versiegelt 1972. Ebenfalls Reservoir.
- Poděbradka (Trinkbrunnen) im Hotel Libenský, etwas versteckt. Reservoir.
- Chariclea (Trinkbrunnen) – im Foyer des Sommerbades, erbohrt 1906, versiegelt 1990. Reservoir. Benannt nach Fürstin Chariclea von Hohenlohe-Schillingsfürst, geborene Ypsilanti.
- Elisabethquelle – 2013 durch einen nahen Bohrbrunnen erneuert. Subjektiv leicht herb-säuerlich im Geschmack und etwas geruchlich.
- Kleiner Platz mit Brunnen, Statue und Wasser – ein netter Ort für eine Pause.
- Hohenlohe-Quelle (Trinkbrunnen) – im Schlossgraben beim Eingang vom Marktplatz. Erbohrt 1907, versiegelt 1967. Reservoir.
- Bülows Quelle (Trinkbrunnen) – im zweiten Schlosshof, erbohrt 1905, versiegelt 1955. Reservoir.
- Schlossufer
- Statue des hl. Johannes Nepomuk
- Gemeinsamer Weg für Fußgänger und Radfahrer
- Freibad, Campingplatz und separater FKK-Strand
- Johannisquelle – 2002 als Kontrollbohrung erbohrt, 2011 in Betrieb genommen. Geschmacklich die beste.
- Riegers Quelle (Trinkbrunnen) – erbohrt 1911, versiegelt 1972. Reservoir.
Vom Bahnhof geht’s gleich durch eine hübsch bemalte Unterführung zur ersten Quelle. Viele schreckt ab, dass sie „hinter den Gleisen“ liegt, aber das ist wirklich nicht weit.

Die Unterführung unter der Eisenbahn dient als Zugang zu den Bahnsteigen des Bahnhofs Poděbrady und verbindet das Zentrum mit dem Vorort Žižkov und dem Viertel Koutecká. | Foto: admin.
Wenn du dir die Karte genauer ansiehst, findest du viele weitere interessante Orte. Mit Schwimmen reicht ein Tag womöglich nicht. Auch ein 100 Jahre altes Wasserkraftwerk ist schließlich ein Unikat.
Oder du nimmst den Weg abseits der Straße zur Familienquelle in Kouty (Kouťanka). Öffentlich zugänglich, in zwei Stunden bist du da. Geschmacklich, geruchlich und mit leichter Trübung kommt sie bei mir direkt hinter die Johannisquelle.

Funktionalistisches Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1926 und ein neoklassizistisches Wasserkraftwerk mit kubistischen Elementen aus dem Jahr 1923 – 2017 von der tschechischen Regierung zum nationalen Kulturdenkmal erklärt. | Foto: admin.
Keine der Poděbrady-Quellen ist eine typische Quelle, die von selbst an die Oberfläche tritt. Sie wurden alle zufällig entdeckt. Im trockenen Sommer 1905 lud Fürst Hohenlohe den preußischen Adligen und Rutengänger Karl Bülow ein, eine Wasserquelle zu finden. Am 31. Juli entdeckte er sie im zweiten Schlosshof. Nach der Analyse, dass das Wasser heilende Wirkung hat, wurden 1908 die Kuranlagen von Poděbrady gegründet.

Werbeplakat für Poděbradka aus den 1930er Jahren und Wasseranalyse am Trinkbrunnen im Hotel Libenský. | Foto: admin.
Das Mineralwasser in Poděbrady ist eine hydrogencarbonat-chlorid-natrium-kalziumhaltige Säuerling mit freiem CO₂ (2200–2800 mg/l) und erhöhtem Eisengehalt (je nach Bohrung). Das Wasser im Reservoir ist eine Mischung mehrerer Quellen. Vorteil: bessere Kontrolle und Möglichkeit zur Anpassung (z. B. Eisenreduktion). Nachteil: Es geht dieses typische „von Quelle zu Quelle“-Erlebnis verloren.
Wettervorhersage für das Ausflugsgebiet
Der zweite Schlosshof befindet sich genau in der Mitte der Karte.
Die Strecke ist flach und für alle geeignet.
An warmen Tagen triffst du am Elbufer viele Radfahrer.